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Weltstillwoche

Schwanger­schaft & Geburt

Wir möchten die Weltstillwoche zum Anlass nehmen, um wichtige Fakten für stillende Mütter, unterstützende Väter und hilfsbereite Großeltern aufzuzeigen. Wir werden daher an jedem Tag der Woche ein Thema rund ums Stillen behandeln und auf Fakten aufmerksam machen:

1. Babys erste Tage

Während der Schwangerschaft bereitet sich der gesamte weibliche Körper und vor allem die Brust darauf vor, das Baby zu ernähren. Ist es geboren, hat die Mama sofort Muttermilch - das sogenannte Kolostrum (Vormilch). Es handelt sich dabei um einige Milliliter wertvollen Energieboosters für das Baby - wichtige Eiweiße, Vitamine, Mineralstoffe und Abwehrstoffe.

  • Die Menge der Muttermilch ist perfekt auf die Magengröße des Babys abgestimmt. Die Bifidusfaktoren in der Milch helfen dem Baby die ersten Mahlzeiten auch gut zu verdauen und den ersten Stuhl (Mekonium) auszuscheiden.
  • Die Nachfrage bestimmt das Angebot! Je häufiger ein Kind saugt, desto besser funktioniert die Milchbildung und Muttermilch wird bereitgestellt.
  • Etwa am 3. Tag nach der Geburt findet der sogenannte Milcheinschuss statt. Jetzt steigt die Milchmenge stetig an, wenn die Brust auch ständig entleert wird.
  • Wenn zu selten oder falsch angelegt wird, kann die Mama nicht genug Muttermilch produzieren. Ein Eingriff in diese feine Abstimmung zwischen dem Bedarf des Kindes und der Milchmenge der Mama (z.B. durch die Gabe von Fläschchen) beeinflusst die Milchproduktion sowie das Saugverhalten des Kindes.
  • Die Erfahrung hat gezeigt, 8-12 Mal anlegen in 24 Stunden wäre empfehlenswert.
  • Zwischen den Stillmahlzeiten ist das Bonden, das nackte Zusammenkuscheln von Mama und Baby, eine sehr schöne und erholsame Zeit, um sich besser kennenzulernen. Die Haut ist das größte Sinnesorgan des Babys und dabei werden nicht nur Liebkosungen ausgetauscht, sondern auch die Sinne angeregt. Dies ist auch eine schöne Möglichkeit für den Papa, Kontakt mit seinem Kind aufzunehmen.
  • Die Stillmahlzeiten sind unterschiedlich lang, 15 bis 20 Minuten sind ein guter Richtwert. Doch denken wir immer daran, jedes Baby ist ein einzigartiges Geschenk und viele Babys neigen dazu, sich nicht an Mittelwerte zu halten.
2. Wie erkennt man, ob das Baby genug Muttermilch bekommt?
  • Bei einer gemeinsamen Stillmahlzeit mit einer Stillberaterin kann der Mama gezeigt werden, wie sie effektives Saugen erkennt, wie es sich anfühlt, worauf dabei beim Baby zu achten ist und wie sich das Schlucken bei einem Baby anhört

  • Nach einer Stillmahlzeit spürt die Mama, dass ihre Brust deutlich weicher geworden ist. Sie wird durstig und müde und das Baby lässt zufrieden die Brustwarze (Mamille) los. All das deutet drauf hin, dass ein guter Milchtransfer von der Mama zum Baby stattgefunden hat.

  • Darüber hinaus sind auch die Ausscheidungen eines Babys aussagekräftig. In den ersten 4-6 Lebenswochen hat ein gut ernährtes Baby mindestens 3 Mal Stuhl pro Tag und mindestens 5 nasse Windeln. Wenn das Baby älter wird (ab ca. 6 Wochen) kann sich das ändern. Der Stuhlgang wird seltener, er kann von mehrmals täglich bis 1 Mal in 10 Tagen variieren. Hilfreich ist, wenn man den Bauch des Babys beobachtet: im entspannten Zustand sollte er weich sein.

3. Wann und wie oft soll die Mama stillen?

Eine der am häufigsten gestellten Fragen an eine Mama ist wohl: Hat dein Baby schon einen Rhythmus?
Babys zeigen selbst an, wann sie gestillt werden möchten.

Stillzeichen sind:

  • Köpfchen hin und her bewegen
  • die Augen rollen
  • die Stirn runzeln
  • schmatzen und schlecken
  • Sauggeräusche
  • die Finger zum Mund führen

… dann ist das Baby bereit für eine Mahlzeit. Schreien ist Alarmstufe rot, wenn das Kind bereits schreit, kann das Anlegen an die Brust manchmal sehr schwierig werden.

Es kann längere Stillpausen geben, genauso wie Stillen in kurzen Abständen. All das ist völlig normal, das sind die Signale des Babys an die Brust, wieviel Milch gerade benötigt wird.

Keine Sorge, ALLE Babys finden irgendwann ihren höchst individuellen Rhythmus!

Wie lange eine Stillmahlzeit dauert, ist unterschiedlich. Es gibt Kinder, die immer ein mehrgängiges Menü brauchen und dies dabei über eine Stunde genießen, genauso wie die „Turbostiller“ die in 5-10 Minuten fertig sind. Keines dieser Kinder macht es falsch, sie sind einfach so individuell und besonders wie ihre Eltern.

4. Wann habe ich die „richtige Milch?“

Die Muttermilch ist IMMER richtig und genau auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt. In den ersten Tagen ist das sogenannte Kolostrum (Vormilch) gelblich durch das Betacarotin und wirkt dicklicher in der Konsistenz. Die Milch hat mehr Salze und weniger Fett, dafür noch mehr Abwehrstoffe. Sie ist genau so richtig wie die reife Muttermilch für die etwas älteren Säuglinge, die eher wässrig aussieht.

Die Zusammensetzung der Muttermilch variiert je nach Alter des Kindes, der Häufigkeit und Dauer des Stillens, ja sogar während einer Stillmahlzeit verändert sie ihre Zusammensetzung. Somit sind ein optimales Wachstum und eine gute Entwicklung gewährleistet. Es ist unmöglich die Muttermilch nachzubilden.

Darüber hinaus lernen die Kinder durch das Stillen eine Vielzahl unterschiedlicher Geschmäcker kennen. Die Nahrungsmittel, die die Mutter konsumiert, verändern den Geschmack der Muttermilch und bereiten das Baby so auf die Beikost vor. Durch eine ausgewogene Ernährung kann die Mutter die Qualität der Fettsäuren und der wasserlöslichen Vitamine beeinflussen.

Generell gilt, alle Lebensmittel die die Mutter in der Schwangerschaft gegessen und gut vertragen hat, verträgt auch das Baby in der Stillzeit.

5. Wie stille ich richtig?

Grundsätzlich gilt, dass zuerst die Mama bequem sitzen soll und dann wird das Baby angelegt. Denn nur, wenn die Mutter entspannt sitzt oder liegt, kann die Muttermilch auch gut fließen.

Der Wechsel der Stillpositionen ist anfangs sehr sinnvoll um zu erkennen, was für das Mutter-Kind-Paar am besten funktioniert. Dabei werden auch alle Areale der Brust gleichmäßig entleert und die Brustwarzen unterschiedlich beansprucht. Dies ist die beste Prävention gegen wunde Brustwarzen!

Zusätzlich erhält das Baby unterschiedliche Reize, kann das Gesicht der Mama aus allen Blickwinkeln beobachten und es wird in der Entwicklung gefördert. Je nach Anatomie der mütterlichen Brust und den Bedürfnissen des Kindes können unterschiedliche Positionen das Stillen erleichtern.

Wenn sich Mama und Baby ausreichend ausgetauscht haben und sich eine Stillposition als besonders effektiv erwiesen hat, muss sie auch nicht mehr gewechselt werden. Dennoch ist es, insbesondere für eine wenig erfahrene Mama, gut zu wissen, welche alternativen Stillpositionen ihr und dem Baby zur Verfügung stehen.

Es gibt so viele unterschiedliche Brustformen und Brustwarzen, wie es Frauen gibt! Die Größe und Form einer Brust bzw. Brustwarze hat keine Aussagekraft über die Stillfähigkeit. Bei diesbezüglichen Unsicherheiten kann es eine große Hilfe sein, vorab mit einer Stillberaterin zu reden.

Genauso individuell sind die Babys. Der Saugreflex ist angeboren, die Technik muss erlernt werden.

6. Wie lange soll ich stillen?

WHO und Unicef empfehlen das ausschließliche Stillen in den ersten 6 Lebensmonaten und bei geeigneter Beikost, weiterstillen bis ins 2. Lebensjahr und darüber hinaus.

Das mag für die eine Mama beruhigend wirken und für eine andere abschreckend. Es bedeutet, dass die Muttermilch in den ersten 6 Monaten ausreichend ist. Sie enthält alles , was ein Baby braucht. Zusätzlichen Gaben von Wasser, Tee oder Formulanahrung sind in dieser Zeit nicht notwendig bzw. können sich sogar nachteilig auswirken.

Jedes Mutter-Kind-Paar entscheidet gemeinsam, wann für sie die Stillzeit endet. Jeder Tropfen Muttermilch ist wertvoll, ob sich die Mama nur fürs Kolostrumstillen entscheidet oder nach einem Jahr die Stillzeit keinesfalls beenden möchte. Auch buntes Stillen ist möglich, eine Kombination von Stillen und Prenahrung. Alle Fragen zum Stillen bzw. Abstillen können mit einer Stillberaterin besprochen werden.

Mit ca. 6 Monaten sind die Kinder bereit für die Beikost, dabei sollte die Muttermilch anfangs immer noch das „Hauptnahrungsmittel“ bleiben. Es ist förderlich, das Kind entscheiden zu lassen, in welcher Geschwindigkeit die Beikost gesteigert und das Stillen reduziert wird.

7. Stillen schützt Mutter und Kind

Alles, was ein Baby für eine optimale Entwicklung benötigt, ist in der Muttermilch enthalten. Zusätzlich enthält sie Immunstoffe, die dafür sorgen, dass Krankheiten nicht auftreten bzw. milder verlaufen. Muttermilch schützt vor Infektionskrankheiten wie Atemwegsinfektionen und Durchfall. In der ersten Lebenswoche schützt häufiges Stillen Abfall des Blutzuckers und Gelbsucht. Langfristig senkt Stillen das Risiko für Diabetes, Adipositas, Allergien und Asthma. Ebenso reduziert Stillen die Wahrscheinlichkeit für plötzlichen Kindstod!

Auch für die Mutter bringt das Stillen viele Vorteile. Durch die beruhigende und entspannende Wirkung helfen die Stillhormone den neuen Alltag mit einem Baby zu bewerkstelligen. Stillen trägt auch dazu bei, dass sich nach der Geburt die Gebärmutter rascher zusammenzieht und so der Blutverlust minimiert wird. Stillen senkt das Risiko der Mutter, später einmal an Eierstock- oder Brustkrebs zu erkranken. Diabetische Mütter brauchen weniger Insulin und einige immunologische Erkrankungen der Mütter verlaufen in dieser Zeit milder.

Stillen ist so viel mehr als Ernährung!  Es befriedigt alle Bedürfnisse des Kindes. Das Baby sieht, riecht, fühlt, hört und schmeckt die Mama. Alle Sinne werden angeregt und die emotionale Bindung gefördert. Und auch die Mama kann das Stillen bewusst als „kleine Auszeit“ nutzen.

Wenn es Fragen oder Unsicherheiten gibt, ist unsere Stillberatung gerne für Sie da.

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