Weltstillwoche 1.-7. Oktober
1 MinuteZur Weltstillwoche teilt unsere Still- und Laktationsberaterin Manuela Pesec (Leiterin unsere Stillberatung) ein paar Gedanken und Informationen aus Ihrem Alltag als Stillberaterin in unserer Still- und Ernährungsberatung.
Ein paar Gedanken aus meinem Alltag in der Privatklinik Graz Ragnitz…..
„Natürlich möchte ich stillen, wenn es klappt.“
Diesen Satz höre ich sehr oft von werdenden Müttern.
Warum kommen Frauen auf die Idee, dass Stillen möglicherweise nicht funktionieren könnte?
Oft liegt es daran, dass sie entsprechende Erfahrungen in ihrem Umfeld gesehen oder gehört haben. Vielleicht haben Freundinnen von Schwierigkeiten berichtet oder soziale Medien vermitteln den Eindruck, dass Stillen kompliziert sei und zahlreiche Hilfsmittel benötigt würden.
So entstehen viele Fragen:
- Brauche ich zum Stillen all diese Produkte?
- Was muss ich vor der Geburt besorgen?
- Wieviel davon benötige ich überhaupt?
- Was ist, wenn das Stillen schmerzt?
Diese und viele weitere Gedanken beschäftigen werdende Mütter häufig schon lange vor der Geburt ihres Kindes.
Anlässlich der Weltstillwoche möchte ich deshalb eine Botschaft besonders hervorheben: Stillen beginnt mit Vertrauen. Vertrauen in den eigenen Körper, Vertrauen in die Fähigkeiten des Babys und Vertrauen in einen natürlichen Prozess, auf den sich Frauen bereits vor der Geburt vorbereiten können.
Wer sich frühzeitig informiert und realistische Erwartungen an die ersten Tage und Wochen nach der Geburt entwickelt, kann selbstbestimmte und gut informierte Entscheidungen treffen. Wissen schafft Sicherheit und hilft dabei, Verunsicherungen von außen besser einzuordnen.
Viele Frauen wissen beispielsweise nicht, dass eine Vorbereitung auf das Stillen bereits während der Schwangerschaft möglich ist. Die Kolostrum Massage und das Gewinnen von Kolostrum vor der Geburt können dabei unterstützen, Vertrauen in die eigene Fähigkeit zur Milchbildung zu entwickeln. Gleichzeitig kann dies den Übergang in die erste Stillzeit erleichtern. Weitere Informationen dazu finden Sie beispielsweise im Video zur Kolostrum Gewinnung von Global Health.
Was mir besonders wichtig ist: Stillen braucht grundsätzlich keine Hilfsmittel. Die weibliche Brust und das Neugeborene bringen alles mit, was für einen guten Start notwendig ist. Sollte dennoch Unterstützung erforderlich sein, stehen auf unserer Station geeignete Hilfsmittel zur Verfügung. Diese werden individuell ausgewählt, in der passenden Größe angeboten und ausführlich erklärt.
Stillen ist keine Frage von Perfektion. Es ist ein gemeinsamer Lernprozess von Mutter und Kind, der Zeit, Geduld und manchmal auch Unterstützung benötigt.
Genau darüber sprechen wir auch in unseren Elternvorbereitungskursen. Denn ein gelungener Stillstart beginnt nicht erst nach der Geburt, sondern oft schon mit dem Wissen und dem Vertrauen, das Eltern davor gewinnen.
Die Superkraft Frau – die Superkraft Stillen.
Der weibliche Körper erschafft innerhalb von neun Monaten einen ganzen Menschen.
Und nachdem dieser Körper das Baby geboren hat, ist er auch noch dazu in der Lage, es zu ernähren.
Stillen ist einerseits Nahrungsaufnahme und zugleich so viel mehr.
(Quelle: VSLÖ news Sommer 2026)
Mehr zum Thema Superfood Muttermilch im nächsten Slide!
Unsere Angebote rund um das Thema Stillen:
Superfood Muttermilch
So komplex, dass Babys und Kleinkinder optimal in der Entwicklung und im Wachstum versorgt werden.
Die Zusammensetzung wird beeinflusst durch:
- Wie lange ich schon stille (Tage oder Monate)
- In welcher Schwangerschaftswoche mein Baby geboren wurde
- Wie oft gestillt wird und wie lange eine Stillmahlzeit dauert
- Das Geschlecht des Kindes
- Die Tageszeit wann gestillt wird
- Wo die Eltern leben, etc.
Die Muttermilch ändert sich auch während einer Stillmahlzeit
Vom ersten Stillen, also dem Kolostrum, bis zur späten Laktation ändert sich die Zusammensetzung der Muttermilch und passt sich den Bedürfnissen des Babys an.
Bei Müttern von Frühgeborenen passt sich die Muttermilch in ihrer Zusammensetzung den besonderen Bedürfnissen deines Babys an – sie heißt Pretermmilch – sie enthält konzentrierte Antikörper (IgA), Immunfaktoren wie Lysozym, mehr Protein und Natrium, mehr Salze, weniger Fett, mehr Lactose und dauert länger an.
- der mengenmäßig häufigste Bestandteil in der menschlichen Milch Lactose ist, 40% des Energiebedarfes des Babys deckt und eine wichtige Rolle in der Reifung von Gehirn und Zentralnervensystem spielt?
- Muttermilch 9 g/l Proteine hat - das sind Eiweißstoffe, aufgebaut aus hunderttausenden Bausteinen (Aminosäuren). Proteine dienen im Körper als Baustoffe für Muskelfasern, Blutzellen, Enzyme, Gewebe, uvm.
- Zusätzlich haben Proteine noch andere Aufgaben, allen voran das Laktoferrin, es adsorbiert das in der Muttermilch enthaltene Eisen und liefert es direkt an den Rezeptoren ab.
- Lysozym ist ein Protein mit besonderer Funktion, es kann Bakterienwände zerstören, Lysozym wirkt als antimikrobieller Faktor gegen einige Bakterien.
- Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind die Immunglobuline auch Antikörper genannt. Die Muttermilch hat hier fast die Funktion einer Schluckimpfung für das Baby – sie enthält alle Antikörper der Krankheiten, die die Mutter Zeit ihres Lebens hatte.
- Lipide eine weitere wichtige Gruppe der Nährstoffe – decken 50% der Energiebedarfes des Babys. Eine besonders wichtige ungesättigte Fettsäure, welche nur in der menschlichen Milch vorkommt ist das DHA (Docosahexansäure), diese ist wichtig für die Gehirnentwicklung.
- Der HAMLET- Komplex ist ein Inhaltsstoff in der Muttermilch (Human Alpha-Laktalbumin Made LEtal to Tumor cells).
- Dieser wirkt nicht nur gegen Tumorzellen, auch gegen gewisse Bakterien (Streptokokken).
- Außerdem kann er die Wirkung von Antibiotika, v.a. gegen resistente Stämme verstärken.
HMO´s sind Milchzuckermoleküle. Diese werden in der Brustdrüse gebildet. Bisher wurden über 200 verschiedene entdeckt.
Effekte:
- Präbiotische Wirkung = die gute Nahrung für die Darmbakterien
- HMO´s sind nicht bei allen Frauen gleich oder ähnlich, die Genetik stellt den größten Einflussfaktor dar.
- Im Kolostrum sind deutlich höhere HMO-Mengen zu finden als in reifer Muttermilch.
- Mütter von Frühchen haben eine höhere HMO Konzentration, als bei Termingebärenden – weil es für die Darmreifung wichtig ist.
- HMO´s können Erreger wie Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze abfangen und unschädlich machen.
(Quelle: VSLÖ - Verband der Still- und Laktationsberater:innen Österreich, Frühjahr 2026)